Buchvorstellungen

Berliner Spiel – Len Deighton

September 6, 2026

Ostberlin in den frühen Achtzigern; der Kalte Krieg ist in vollem Gange. „Brahms Vier“, ein Topinformant des britischen Auslandsgeheimdienstes, beantragt, möglichst schnell aus seinem Einsatzgebiet in der DDR evakuiert zu werden. Der KGB ist ihm auf den Fersen und er ist überzeugt: In den Reihen sitzt ein Maulwurf. Vor zwanzig Jahren hat Brahms Vier Bernard Samson das Leben gerettet. Jetzt hat der Agent mittleren Alters, der seine Arbeitszeit inzwischen hauptsächlich hinter einem Schreibtisch verbringt, langsam einen Bauch ansetzt und seiner Frau, die auch beim Geheimdienst ist, dabei zusieht, wie sie Karriere macht, die Chance, sich zu revanchieren. Er reist nach Ostdeutschland, um Brahms Vier die Flucht zu ermöglichen, und muss bald schmerzlich feststellen, dass der Verdacht seines Kollegen nicht unbegründet ist. Und der Maulwurf steht Samson näher, als er es für möglich gehalten hätte. (Klappentext)

Es tut gut, mal wieder einen klassischen Spionageroman zu lesen. Len Deightons Universum kann man ungefähr einordnen: Es geht nicht um solche Romane wie bei John le Carré, dessen Figuren sind immer in einer höheren Gesellschaftsschicht angeordnet. Mit James Bond, also Ian Flemming, lassen sich die Romane auch nicht vergleichen. Es gibt keinen Superhelden, der allerlei Tricks hervorzaubern kann.
Die Figur Bernard Samson kam aus einer einfachen Familie. Es gibt Stellen im Roman, in denen Samson seinen Vorgesetzten gehorchen muss – ganz anders als die Helden anderer Schriftsteller. Der Agent kennt sich blendend in Berlin aus, hatte seine Kindheit dort verbracht. Und dass sich der Autor dort auskannte, merkt man sofort. Viele Details lassen sich auf diese Art und Weise nicht recherchieren. Bemerkenswert ist auch, dass Len Deighton im Allgemeinen ohne Brutalität auskommt. Und muss es doch einmal sein, dann ganz sanft – ohne überflüssige Einzelheiten.

Das Nachwort, geschrieben von Paul Ingendaay, ist sehr zu empfehlen. Es gibt einen Einblick in das Schaffen und einen kleineren Einblick in das Leben des Len Deighton, der seinerzeit ein sehr produktiver Schriftsteller war und in einem Atemzug mit John le Carré genannt wurde.

Samson bereitet von London aus eine Falle vor, mit der er hofft, den Maulwurf in den eigenen Reihen enttarnen zu können. Die Aktion geht schief, als ein anderer Agent glaubt, sich schützen zu müssen, weil viele Informationen in Richtung des KGB fließen. Er ahnt nicht, dass es sich um Fehlinformationen handelt.
Samson schleust sich daraufhin nach Ostberlin ein. Er hofft, seinen ehemaligen Lebensretter jetzt helfen zu können, und knobelt einen brillanten Plan aus.

Ein kurzweiliger klassischer Spionageroman aus den 80ern. Spannend, kurzweilig, lesenswert.

ISBN: 978 3 311 12120 6
Verlag: Kampa
Aus dem Englischen von Hedda Pänke
Mit einem Nachwort von Paul Ingendaay

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