Burg Waldeck, 1964: Erste Klänge des Aufbruchs gegen die Schatten der Vergangenheit.
Als Silvia in den Unterlagen ihres Vaters eine erschütternde Entdeckung macht, flieht sie auf das Waldeck-Festival, in das Aufbegehren einer neuen Generation gegen den Starrsinn der Nachkriegszeit. Gleichzeitig heftet sich der Journalist Ferdinand Broich auf die Fersen eines ehemaligen SS-Arztes – eine gefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt. (Klappentext)
„Waldeck“ ist nicht so sehr ein Kriminalroman. Ich würde das Werk eher als Roman, als eine zeitzeugende Schrift, verpackt in einem belletristischen Mantel, bezeichnen.
Es geht um die Nachkriegszeit, der Krieg ist seit zwanzig Jahren vorbei. Unter der jüngeren Generation macht sich eine Aufbruchstimmung breit – weg von der Düsternis der Vergangenheit, den engen traditionellen Verpflichtungen in Familie und Umkreis, hin zu einem freieren, besseren Leben.
Das Festival auf der Burg Waldeck (hier ist das erste gemeint), stand vertretend für die neue Art des Lebens, des neuen Freiheitsgefühls (wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg-Waldeck-Festivals).
In dieser Zeit gab es noch immer viele ehemalige SS-Funktionäre und ihre Anhänger. Manche wurden enttarnt. Auch dieses Thema nimmt der Roman auf. Ferdinand Broich versucht, einem ehemaligen SS-Arzt auf die Schliche zu kommen.
Im Buch gibt es Passagen, die auch und vor allem in der heutigen Zeit aufhorchen lassen sollten. Hier ein Beispiel:
„Aber…“ Sandigs Stimme veränderte sich mit einem Mal, „aber ich fürchte“, er sprach nun fast flüsternd, mit einem resignativen Unterton, „dass die Ideen der Nazis weiterleben, dass Zeiten kommen werden, in denen vergessen sein wird, was passiert ist, in denen man es wahrscheinlich sogar als lästig ansieht, dass immer wieder aufs Neue an die Gräueltaten der Nazis erinnert wird. Ein Vogelschiss in der Geschichte werden sie sagen, sei es gewesen.“ (Seite 147)
Alles in allem: Ein politischer Roman, nicht nur rückblickend. Ein Buch, das die Stimmung der aufbrechenden Jugend unter dem Schatten der alten Verbrechen einfängt.
ISBN: 978 3 293 00607 2
Verlag: Unionsverlag